Care-Arbeit ist das unsichtbare Rückgrat unserer Gesellschaft: Sie umfasst die Pflege von Kindern, älteren Menschen und Angehörigen, die Hausarbeit sowie emotionale Fürsorge. In Deutschland leisten Frauen etwa 75 % der unbezahlten Care-Arbeit, oft zusätzlich zu einem Vollzeit- oder Teilzeitjob. Diese Doppelbelastung führt zu körperlicher und psychischer Erschöpfung, begrenzt berufliche Chancen und wirkt sich langfristig negativ auf die finanzielle Absicherung, etwa die Rentenansprüche, aus.
Care-Arbeit wird gesellschaftlich häufig als selbstverständlich betrachtet und bleibt finanziell und politisch unterbewertet. Dabei ist sie essenziell für das Funktionieren von Familien, Gemeinden und dem gesamten Sozial- und Gesundheitssystem. Besonders betroffen sind Frauen mit mehreren Diskriminierungsmerkmalen, etwa Migrantinnen, Alleinerziehende oder Frauen mit Behinderung, die oft noch größere Lasten tragen und schlechtere Zugänge zu Unterstützungsangeboten haben.
Der intersektionale Feminismus fordert deshalb konkrete Veränderungen:
- Faire Bezahlung und Anerkennung von Care-Arbeit: Sowohl in der bezahlten Pflege als auch in der unbezahlten Familien- und Hausarbeit muss Care-Arbeit als wertvolle Arbeit anerkannt und finanziell honoriert werden, etwa durch höhere Löhne in Pflegeberufen und Pflegegeld für Angehörige.
- Ausbau und Verbesserung der Infrastruktur: Flächendeckende, bezahlbare und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, Altenpflege und Unterstützungsangebote müssen gewährleistet sein, um die Doppelbelastung zu reduzieren und Care-Arbeit gerecht zu verteilen.
- Flexible Arbeitszeitmodelle und Schutz vor Diskriminierung: Arbeitsplätze müssen familienfreundlich gestaltet werden, mit Teilzeitoptionen, Homeoffice und Schutz vor Karriereeinbußen für Care-Arbeitende.
- Soziale Absicherung und Rentenansprüche stärken: Zeiten der Care-Arbeit, ob bezahlt oder unbezahlt, müssen in der Sozialversicherung und Rentenberechnung voll anerkannt werden, um Altersarmut zu verhindern.
- Gezielte Unterstützung für mehrfach benachteiligte Gruppen: Migrantinnen, Alleinerziehende, Frauen mit Behinderung und andere vulnerable Gruppen brauchen niedrigschwellige, kultursensible und barrierefreie Angebote.
- Gesellschaftliche Wertschätzung und Bewusstseinswandel: Care-Arbeit muss aus der Unsichtbarkeit geholt und als zentrale gesellschaftliche Leistung anerkannt werden – durch Bildung, Medien und politische Debatten.
Der intersektionale Feminismus sieht Care-Arbeit als Schlüsselthema für eine gerechte Gesellschaft. Nur wenn Care-Arbeit sichtbar, gerecht verteilt und angemessen unterstützt wird, können wir echte Gleichberechtigung erreichen – für alle Frauen und alle Menschen, die Sorgearbeit leisten.
Schreibe einen Kommentar