2026 und warum wir den intersektionalen Feminismus mehr brauchen denn je

Im Jahr 2026 scheint vieles erreicht – doch der intersektionale Feminismus bleibt für uns unverzichtbar. Als Mütter, Pflegende und Frauen erleben wir täglich, wie Ungleichheiten weiterbestehen. Ob in der Arbeitswelt, im Privaten oder in der Politik: Wir tragen oft die Hauptlast, ohne dass unsere Arbeit oder unsere Bedürfnisse ausreichend gesehen werden.

Ein zentrales Beispiel für diese Ungleichheit ist der Gender Pay Gap: In Deutschland verdienen Frauen im Durchschnitt immer noch etwa 18 % weniger als Männer. Diese Lohnlücke betrifft nicht nur Vollzeitstellen, sondern wird durch Teilzeit- und Care-Arbeit, die überwiegend von Frauen geleistet wird, noch verschärft. Die Folge sind geringere Renten, weniger finanzielle Unabhängigkeit und ein erhöhtes Armutsrisiko im Alter. Auch die Karrierechancen werden durch strukturelle Benachteiligungen wie fehlende Kinderbetreuung, mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie stereotype Rollenbilder eingeschränkt.

Im internationalen Vergleich zeigen einige Länder, dass ein nahezu geschlossener Gender Pay Gap möglich ist:

  • Island hat mit einem Gender Pay Gap von etwa 9 % (2025) eines der niedrigsten weltweit. Das Land fĂĽhrt seit 2018 ein verbindliches Zertifikatssystem („Equal Pay Standard“) ein, das Unternehmen verpflichtet, gleiche Bezahlung fĂĽr gleiche Arbeit nachzuweisen und regelmäßig zu kontrollieren.
  • Norwegen weist einen Gender Pay Gap von rund 10 % auf (2025). Hier wirken umfassende Familien- und Gleichstellungspolitiken, wie groĂźzĂĽgige Elternzeiten fĂĽr beide Elternteile, eine hohe Erwerbsquote von Frauen und verpflichtende Quoten fĂĽr Frauen in FĂĽhrungspositionen.
  • Luxemburg hat mit etwa 11 % Gender Pay Gap (2025) ebenfalls eine vergleichsweise geringe LohnlĂĽcke, unterstĂĽtzt durch starke Sozialpolitik und familienfreundliche Arbeitsmodelle.
  • Rumänien ist mit einem Gender Pay Gap von unter 5 % (2025) eines der Länder mit dem geringsten Lohngefälle in der EU. Dies ist zum Teil auf eine geringere Erwerbsbeteiligung von Frauen in bestimmten Sektoren zurĂĽckzufĂĽhren, zeigt aber, dass der Gender Pay Gap nicht zwangsläufig groĂź sein muss.
  • Neuseeland hat einen Gender Pay Gap von rund 9 % (2024) und setzt stark auf transparente Lohnstrukturen sowie Programme zur Förderung von Frauen in technischen Berufen.

Der intersektionale Feminismus fordert deshalb:

  • Gesetzliche Verpflichtung fĂĽr Unternehmen, den Gender Pay Gap offen zu legen und aktiv zu schlieĂźen
    Beispiel Island: Das „Equal Pay Standard“-Zertifikat verpflichtet Unternehmen, gleiche Bezahlung nachzuweisen. Wer die Anforderungen nicht erfĂĽllt, darf nicht mit öffentlichen Aufträgen rechnen. Dieses Modell sorgt fĂĽr Transparenz und Druck zur Lohnangleichung.
  • Ausbau und Verbesserung der Kinderbetreuung sowie flexible Arbeitszeitmodelle
    Beispiel Norwegen: Mit groĂźzĂĽgigen Elternzeiten, die beide Elternteile nutzen können, und einem flächendeckenden Angebot an Ganztagsbetreuung wird die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefördert.
  • Förderung von Frauen in FĂĽhrungspositionen durch verbindliche Quoten und Mentoring-Programme
    Beispiel Norwegen und Luxemburg: Beide Länder haben verbindliche Frauenquoten fĂĽr Aufsichtsräte und FĂĽhrungsebenen eingefĂĽhrt, begleitet von Mentoring- und Förderprogrammen, die Frauen gezielt stärken.
  • Anerkennung und finanzielle Wertschätzung von Care-Arbeit
    Beispiel Neuseeland: Neben Lohntransparenz gibt es Programme zur finanziellen Anerkennung von Care-Arbeit, etwa durch steuerliche Entlastungen und ZuschĂĽsse fĂĽr pflegende Angehörige.
  • Aufklärung und Sensibilisierung in Unternehmen und Gesellschaft
    Beispiel Island und Luxemburg: Regelmäßige Kampagnen und Schulungen zu Gleichstellung und unbewussten Vorurteilen fördern ein Bewusstsein fĂĽr stereotype Rollenbilder und deren Auswirkungen.
  • Stärkung der sozialen Sicherungssysteme
    Beispiel Norwegen: Das Sozialversicherungssystem berĂĽcksichtigt Care-Arbeit bei RentenansprĂĽchen, um Altersarmut bei Frauen zu vermeiden.

Diese Forderungen sind keine Wunschträume, sondern bewährte Maßnahmen, die in verschiedenen Ländern erfolgreich umgesetzt werden. Sie sind entscheidend, um die wirtschaftliche Unabhängigkeit von Frauen zu stärken und echte Gleichberechtigung zu erreichen.

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